
Am Inle-See in Zentral-Myanmar lebt das Volk der Intha komplett auf dem Wasser. Es wohnt, es isst, es arbeitet, es fährt, es feiert auf dem See. Die Kinder baden im Inle, die Frauen waschen ihre Wäsche im Inle, die Männer fischen im Inle, und alle trinken aus dem Inle.
Mehr als den 22 Kilometer langen und 11 Kilometer breiten See braucht es also nicht. Außer Fisch gibt’s auch noch jede Menge Gemüse, denn der See ist für seine schwimmenden Gärten berühmt. Ja, der Inle-See ist sogar das größte Gemüseanbaugebiet Myanmars. Die schwimmenden Beete bestehen aus Torfboden und sind im seichten Wasser mit Bambusstangen festgemacht. Vor allem Tomaten, aber auch Auberginen, Melonen, Gurken und Kürbisse können aufgrund des fruchtbaren Bodens gleich mehrmals im Jahr geerntet werden.
Als wir mit dem Übernachtbus von Tongoo am frühen Morgen um 5:00 Uhr in Nyaung Shwe ankommen, einem Ort 5 Kilometer vom See entfernt, werden erst einmal 10 USD abkassiert, denn wir befinden uns ab sofort in einem Feuchtgebiet unter Naturschutz. Gott sei Dank können wir gleich im „Aung Mingalar Hotel„ einchecken und hauen uns nochmal bis 11 Uhr aufs Ohr!
Heute lassen wir’s ruhig angehen! Es ist bewölkt und ein heftiger Regenschauer lässt nicht lange auf sich warten! Auch schön… wir sitzen im Trockenen, geniessen bei einen Drink das quirlige Treiben auf der Strasse! Pferdekutschen vollgepackt mit Sack und Pack traben an uns vorbei. Nette Restaurants und Kneipen laden zum verweilen ein. Ich entschliesse mich kurzfristig von einer birmanesichen Friseuse verwöhnen zu lassen! Aus Silber wird Braun!! Beste Kopfmassage ever!
Wir vereinbaren eine Bootstour für den nächsten Tag. Abfahrt 8:00 Uhr. Von Nyaung Shwe knattert unser Boot eine ganze Weile durch den Kanal, bis der See sich öffnet und das Abbild der umliegenden Shan-Berge sich in der Wasseroberfläche spiegelt. Kurz zuvor hält unser Bootsmann am Ufer an, und stellt uns stolz seine Familie vor. Winkend verabschieden wir uns Richtung See. Die Wolkenfelder verziehen sich und wir sehen die ersten Einbeinruderer, die über den See balancieren und mit ihren traditionellen Bambusreusen Fische fangen. Auf einem Bein stehend haben sie das andere ums Ruder geschlungen und manövrieren so ihr Boot. Eine Hand ist ständig frei, um Fischreusen oder das Fischernetz zu halten. Wir nehmen Kurs zum nächsten Ort, wo wir uns durch einen Markt wühlen, auf dem alles verkauft wird, was essbar ist. Hier sehen wir auch zum ersten Mal die Frauen vom Volk der Shan mit ihren typischen handtuchähnlichen Turbanen und der schwarzen Kleidung. Die meisten Menschen wohnen in dürftigen Bambushütten auf Stelzen, dazwischen gibt es aber auch vereinzelt stabiler aussehende Häuser mit Wellblechdach. Direkt vor der „Eingangstür“ wohnen die Schweine. Eine Treppe führt vom Wohnbereich im „1. Stock“ zu schwimmenden Bambusmatten direkt auf dem See, auf denen Geschirr gespült, Wäsche gewaschen und die eigenen Hygienebedürfnisse gestillt werden. Jede Garage zuhause ist ein Luxusbau gegen die einfachen Hütten auf dem Wasser. Umso faszinierender ist es, wie das Leben auf dem Wasser so selbstverständlich und einfach funktioniert. Wie die Boote elegant durch die kleinen Kanäle manövriert werden und übers Wasser gleiten, wie die Frauen in der Hocke über Stunden am Ufer die Hausarbeit erledigen. Uns wird (übrigens nicht zum ersten Mal auf dieser Reise) bewusst, wie verwöhnt wir doch vom deutschen Wohlstandsleben sind!
Unser Bootsman fährt mit uns an schwimmenden Gärten vorbei und durch schwimmende Dörfer hindurch. Wir besuchen die Phaung Daw U-Pagode mit den 5 goldenen Buddha Statuen. Legen bei Handwerksbetrieben an: In Inpawkon gucken wir den Weberinnen über die Schulter, die aus den Lotusstangen die Fäden für den Longyi verarbeiten, dem beliebten Wickelrock, der in Myanmar von Männern wie Frauen getragen wird. Kurz bevor ein ordentliches Gewitter und Platzregen heranzieht, retten wir uns in die Silberschmiede eines anderen schwimmenden Dorfes! Perfektes Timing für den Kauf ein paar Silberohrringe:-) Nebenan verarbeiten junge Mädchen birmesische Cheroot-Zigarren. Der „Tabak“ bestehe aus Cheroot-Blättern, vermischt mit Tamarindensaft, Honig, Anis, Kardamom, Reiswein und Palmzucker. Wir sind neugierig und paffen zwei dreimal an einer Zigarre! Jetzt wird Zeit für eine leckere heiße Suppe unter einem selbstgezimmerten Holzpavillons. Tut richtig gut! Nach unserer Mittagspause tuckern wir durch enge Kanäle in das Pagodenfeld von Indein. Die zahlreichen alten und heruntergekommenen Stupas hat die Natur inzwischen voll im Griff: Bäume wachsen aus dem Dach, Pflanzen überwuchern die Wände und Kakteen belagern die Eingänge. Träge fließt das Wasser hier vor sich hin, im Gegensatz zum See ist es hier braun und dreckig. Egal, denken sich die Kinder und benutzen den Fluß für ihr Freibadvergnügen, 365 Tage im Jahr !
Schöne Abendstimmung bei der Rückfahrt über den See gleiten wir für kurze Zeit ins Reich der Träume. Den Sonnenuntergang nehmen wir andächtig war und kommen etwas verfroren bei Dämmerung zurück. Heute viel gesehen und eingetaucht in das Leben auf und um den Inle-See! Empfehlenswert!!
Am darauffolgenden Tag schnappen wir 2 Fahrräder und tingeln durch die Stadt, durch die nicht asphaltierten Seitenstraßen, zum Markt. Peter verhandelt geschickt und ergattert einen schön verzierten Säbel! Keine Ahnung wie wir den transportieren sollen!? Zu guter letzt gönne ich mir eine Massage mit Familientradition bei „Win Traditional Massage“. Witzig, ich liege in einer Bambushütte, draußen laufen die Hühner, spielen die Kinder, Geschirrgeklapper, birmanesische Unterhaltungen, aber trotz allem kann ich herrlich entspannen!
Die 3 Tage in der Region rund um den Inle See haben uns richtig gut gefallen! Es gaebe noch so viel zu sehen uns zu unternehmen! Treckingtouren nach Kalaw, in die Weinberge, radeln um den See, und und und! Vielleicht kommen wir ja mal wieder!